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Multiple Sklerose

Multiple Sklerose

Die Sauerlandklinik ist eine neurologische Akutklinik, die auf die Diagnostik und Behandlung von Multipler Sklerose spezialisiert ist. Es werden aber auch andere neurologische Krankheitsbilder behandelt. Ferner haben niedergelassene Neurologen oder Nervenärzte die Möglichkeit, Patienten in der Ambulanz der Sauerlandklinik vorzustellen.

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung, die das Gehirn und das Rückenmark gleichermaßen befallen kann. Verantwortlich für die Entzündungsreaktion ist das körpereigene Abwehrsystem, das sogenannte Immunsystem, weshalb die Multiple Sklerose eine Autoimmunerkrankung darstellt. Die Ursache der Multiplen Sklerose ist nach wie vor nicht geklärt. Es kann aber als gesichert gelten, dass durch die immunologischen und entzündlichen Prozesse nicht nur die Myelinscheiden, sondern auch die Zellfortsätze (Axon) der Nervenzellen zerstört werden können. Da sich an den Stellen der Entzündungen harte Narben aus Bindegewebe bilden können, haben die alten Anatomen die Krankheit als Multiple (=viele) Sklerose (=Narben) bezeichnet.

Da, wie oben bereits erwähnt, die Entzündungsherde an vielen Stellen gleichzeitig im Zentralnervensystem auftreten können, können vielfältige Symptome gleichzeitig bei MS-Patienten vorhanden sein. Die häufigsten Symptome sind Lähmungserscheinungen, Gefühlsstörungen, Sehstörungen, weiter auch Muskeltonuserhöhung, Unsicherheit, Blasenstörungen; weitere Symptome können in unterschiedlicher Weise dazukommen. Das mittlere Erkrankungsalter liegt um 30 Jahre. Erfreulicherweise bleibt ein nicht unerheblicher Teil der Patienten über Jahre wenig behindert und ein großer Teil lange arbeitsfähig.

Die spezifische, symptomatische und physiotherapeutisch-physikalische Therapie bei MS haben bei der bisher unheilbaren Erkrankung eine besondere Bedeutung. Wir können damit den Patienten helfen, nach Abschluss der diagnostischen Maßnahmen besser mit ihrer Krankheit zu leben.

Bei der Diagnose der Multiplen Sklerose sind der klinische Verlauf, die klinische Symptomatik sowie Ergebnisse bei den Zusatzuntersuchungen entscheidend.

In der Sauerlandklinik werden folgende Zusatzuntersuchungen zur Diagnostik, bzw. zum Therapieverlauf durchgeführt:
Hirnwasseruntersuchung (Liquordiagnostik), Kernspintomographie und evozierte Potentiale (VEP, SSEP, MEP, AEP).

Liquordiagnostik
Die Lumbalpunktion zur Gewinnung des Liquors ist mit den neuen atraumatischen Punktionsnadeln im Bereich der Lendenwirbelsäule problemlos möglich. Es werden ca. 5-10 ml Liquor (Hirnwasser) entnommen. Entscheidend für die Diagnose einer Multiplen Sklerose ist der Nachweis von sogenannten „oligoklonalen Banden“ sowie einer „intrathekalen IgG-Synthese“.

Ferner müssen Infektionen des Zentralnervensystems (z. B. Borreliose) oder andere Systemerkrankungen (z. B. amyotrophische Lateralsklerose), die ähnliche Symptome wie die Multiple Sklerose machen können, ausgeschlossen werden.

Kernspintomographie
Die Kernspintomographie ist bei der Diagnostik und Verlaufs- bzw. Therapie- kontrolle der Multiplen Sklerose nicht mehr wegzudenken. Entsprechend wurden die diagnostischen Kriterien der Multiplen Sklerose durch Mc Donald und Mitarbeiter (2005) neu modifiziert.

Die Kernspintomographie setzt ein statisches Magnetfeld sowie ein elektro-magnetisch erzeugtes Wechselfeld zur Bilderzeugung ein. Das heißt, es werden keine potentiell schädigenden Röntgenstrahlen benutzt.

Bei der Diagnostik und Therapiekontrolle (im Rahmen einer spezifischen Therapie) sollte als Ergänzung zur klinischen Untersuchung der Kopf und das Rückenmark kernspintomographisch untersucht werden, und zwar möglichst immer am gleichen Institut und nach dem gleichen kernspintomographischen Untersuchungsprotokoll, um die Bilder optimal vergleichen zu können. Dadurch lassen sich optimale Verlaufsbeurteilungen ermöglichen.

Evozierte Potentiale
Anhand der Ableitung sogenannter evozierter Potentiale lässt sich die Funktionsfähigkeit unterschiedlicher Systeme im zentralen Nervensystem überprüfen und messen. Bei der Multiplen Sklerose können diese gestört sein, zum Teil, ohne dass der betroffene Patient davon etwas bemerkt.

Am bekanntesten sind die sogenannten visuell evozierten Potentiale (VEP). Es wird das optische System geprüft, und zwar wird die Zeit der Informationsübertragung von der Netzhaut (Auge) bis zum optischen Kortex (Sehrinde im Gehirn) gemessen. In der Regel dauert diese beim Menschen ca. 100 ms (0,1 Sekunde). Aufgrund entzündlicher Veränderungen durch die MS kann diese Überleitungszeit im Bereich des optischen Systems deutlich verlängert sein, ohne dass dies der Patient bewusst als Sehstörung wahrnimmt.

So können mittels der VEP’s sowohl alte Schädigungen der Sehbahn nachgewiesen werden, aber auch akute Verschlechterungen und gegebenenfalls Verbesserungen nach einem Cortison-Stoß erfasst werden. Neben den VEP’s gibt es noch die sensibel und sensorisch (SSEP), motorisch (MEP) und akustisch evozierten Potentiale (AEP).