4-2010 - Validierung der Gehstrecke im EDSS und MSFC
Vergleich der maximalen herkömmlichen Gehstrecke
und der Gehstrecke auf dem Laufband (2010)
Dr. med. M. Heibel, MBA, Ärztlicher Direktor Sauerlandklinik Hachen,
G. Buchstein, ltd. Physiotherapeutin, G. Freiburg, stellv. Ltd. Physiotherapeutin
und Mitarbeiter aus der SKH
Abstract:
Eine objektive Durchführung der Gehstreckenmessung bei MS-bedingten Gehstörungen im ambulanten und klinischen Alltag erfordert einen erheblichen Zeitaufwand. Deshalb beruht die Gehstreckenbeurteilung bisher in den meisten Fällen lediglich auf subjektive Angaben des Patienten durch Befragung der Selbsteinschätzung.
Die Messung der tatsächlichen Gehstrecke ist jedoch ein wichtiger Faktor im Assessmentverfahren, da sie entscheidend für die Festlegung des Behinderungsgrades ist, welcher in einer u.a. nach Gehstrecke wertenden 10teiligen Leistungsskala von Kurtzke, dem EDDS (Expanded Disability Status Scale) eingeteilt wird.
Ziel dieser Verlaufkontrolle war es unter anderem, für bestimmte Personengruppen Möglichkeiten für standardisierte Gehstreckenmessungen mit relativ geringem Zeitaufwand für den klinischen Alltag zu finden.
Es wurden insgesamt 201 Patienten mit verschiedenen Behinderungsgraden untersucht. In der Kurtzke-Skala lagen sie zwischen einem EDSS von 3,0 und 7,5 mit einem Durchschnittsalter von 47 Jahren (20 bis 75).
Fazit:
Die Validierung der Gehstrecken mittels einer standardisierten Laufbanddiagnostik ist bei den meisten Patienten definitiv eine objektive Methode zur Ermittlung der tatsächlichen, herkömmlichen Gehstrecke für den klinischen Alltag. Die größte Abweichung bei 21 Patienten liegt bei -22,13%.
Die Abfrage der Selbsteinschätzung der Patienten über die herkömmliche, maximale Gehstrecke ist im Vergleich zu den tatsächlichen Laufbandgehstrecken bei Patienten mit leichteren Behinderungsgraden ein geeignetes Mittel, um den Behinderungsgrad nach Kurtzke einzuschätzen. Bei Patienten mit stärkerer Gehbehinderung wird empfohlen, die maximale Gehstrecke bis zur 1. Ruhepause durch einen Therapeuten herkömmlich oder alternativ durch die Laufbandvalidierung tatsächlich zu überprüfen.

